Letschin :

Letschin im Oderbruch - Auszug aus dem Kreiskalender des Kreises Lebus 1915, von Lehrer Sigismund Rosinski

Letschin bedeutet ein Stück märkischer Seltsamkeit. Es ist – am Maßstab brandenburgischer Verhältnisse gemessen – eine Überraschung, eine Merkwürdigkeit. Denn ein Dorf wie dies mit über dreitausend Bewohnern gehört nicht zu den alltäglichen Erscheinungen unserer lieben Mark. Wie das Antlitz Letschins ein eigenartiges Gepräge aufweist, so erscheint auch das Wesen des Oderbruchs, in dem es liegt, märkisch ungewöhnlich. Nirgends dunkle Wälder, verschwiegene Seen, verträumte Dörfchen, nirgends magere Äcker, dürftige Triften, sandumspülte Kiefern und Kuscheln – dafür aber weitgedehnte Ebenen, gesegnete Fluren und fette Wiesen: ein großer wohlgepflegter Garten. Im Rahmen spiegelebener Landstraßen, schnurgerader Weidenzeilen und silberglänzender Wasserlinien dehnen sich fruchtstrotzende Ackerflächen und dazwischen malerisch eingebettet prächtige Bauernsitze und langgestreckte Siedlungen mit dem Stempel wohliger Behäbigkeit an der Stirn.

 

Letzteres gilt insonderheit für Letschin, das größte und blühendste jener Oderbruchdörfer. Sein Gesicht zeigt in allen Wesenszügen das Gepräge einer modernen Kleinstadt. Städtischen Eindruck machen die freundlichen, von Baumreihen und Gaslaternen flankierten Straßen, die wohlgepflegten Anlagen mit dem von Blümer errichteten Standbild Friedrichs des Großen, der treffliche Spielplatz, die großen Schulgebäude, die beschaulichen Wohnhäuser, die ansprechenden Geschäftsläden und nicht zuletzt die fliesenbelegten Bürgersteige mit ihrem reich pulsierenden Verkehr; städtischen Geist atmet auch das Innenleben des bedeutsamen Marktfleckens, wie es sich in der überreichen Vereinstätigkeit, der hoch gesteigerten Geselligkeitsgelegenheit und den von Heimatsinn und Weitblick diktierten, zielbewusst aufwärtsstrebenden Maßnahmen der Verwaltung offenbart. Alles in allem: ein glänzendes Gegenwartsbild.

 

 

Bedenkt man angesichts dieser Erscheinung, dass noch zur Zeit Friedrichs des Großen an dieser Stelle gierige Wasserwogen die Schwellen armseliger Fischerhütten umbrausten, dass also das heutige Letschin das Ergebnis einer noch nicht zwei Jahrhunderte umfassenden Entwicklung darstellt, so schweifen die Gedanken fragend und forschend immer weiter in die Vergangenheit. Lesen Sie weiter unter der Seite Geschichte ...

 

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